Review: Jarhead – Welcome to the Suck

Jarhead
Als ich Heute Abend aus dem Kino lief sagte ich mir, du musst einen Review schreiben. Ein bisschen Text wie Du über den Film denkst. Viele meiner Bekannten werden jetzt denken: „Oh Gott – jetzt versucht er sich damit zu vergleichen.“ Aber das will ich ganz und garnicht, es ist mir durchaus bewusst das, die Thematik in dem Film herzlich wenig mit meinem Einsatz 2002 im Kosovo zu tun hat und das man diese auch nicht vergleichen kann. Doch sind einige wenn auch wenige Parallelen zu erkennen. Aber liest und bildet euch Eure eigene Meinung. Erwartet nicht zuviel, es sind nur meine Gedanken die wie immer unkontrolliert aus mir heraussprudeln.

Jarhead – Willkommen im Dreck ist ein Film des britischen Regisseurs Sam Mendes aus dem Jahr 2005. Das Kriegsdrama basiert auf dem gleichnamigen Buch von Anthony Swofford und wurde von Universal Pictures produziert. Offizieller Kinostart in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist der 5. Januar 2006.

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Film beginnt klassisch im Ausbildungslager der Marines und erinnert mit dem Drill Sagent stark an „Full Metal Jacket“. Die gleichen Sprüche, die selben Handlungen. Doch ich denke – das ist nunmal so. Es gibt hier nicht wirklich etwas neues zu berichten und deswegen finde ich auch gut das diese Szenen sehr verkürzt sind. Ebenso wie das Gebet der Marines mit dem der persönliche Bezug zur Waffe gestärkt wird: „Dies ist mein Gewehr – Es gibt viele Gewehre, doch dieses ist meins…“ Naja … das kommt wahrscheinlich daher das es nun mal wirklich ein Gebet der Marines ist wie man hier schön nachlesen kann: http://www.cs.rice.edu/~ssiyer/minstrels/poems/1110.html
„Swoff“ (die Hauptfigur in diesem Film) wird zum Scout-Sniper ausgebildet. Der „Grunt” kämpft für 15000 in die Gegend geschossene Kugeln und der Scharfschütze stirbt für den einen perfekten Schuss – das war es“
„Willkommen im Dreck“ – Wie soll auch anders sein, direkt nach der Grundausbildung der Jarheads, übrigens ein Eigenname die sich die Marines wegen Ihrer rasierten Köpfe selber geben, da Ihre rasierten Köpfe an Henkeltöpfe oder Gefäße erinnern, bricht ein Krieg aus. Saddam Hussein marschiert in Kuwait ein und bricht damit den zweiten Goldkrieg vom Zaun. Die Jarheads werden Teil der defensiven Operation „Desert Shield“. Sie strotzen vor Kampfgeist, sie würden am liebsten Stacheldraht fressen und Napalm pissen – freuen sich endlich in den Dreck zu kommen, endlich Krieg, endlich wird es ernst. Doch das sollte sich als große Enttäuschen herausstellen.
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Der Tagesablauf besteht größtenteils aus Masturbieren und Wasser trinken und natürlich körperlicher Ertüchtigung, das schlägt nach ca. 60 Tagen auf das Gemüt der Männer. Aber das ist auch klar in dieser Umgebung – sie Leben in Zelten, schlafen auf Feldbetten und Scheissen aus Holzhütten in Eimer. Das zehrt an einem Menschen. Die geliebten in der Heimat verabschieden sich nach und nach alle mit einem „Ich werde dich immer Lieben“ aus dem Leben der Soldaten. Es wird extra eine Wand eingerichtet mit den „Leichen“ der Ex-Beziehungen – Die „Wall of Shame“. Ich kann diesen Verfall von Beziehungen im Einsatz bestätigen, ich habe viele Liebes-Tragödien erlebt – Viele gingen zu bruch und viele kurz nach dem Einsatz, doch einige fanden auch neue Liebe im Einsatz. Das ist in diesem Film noch nicht der Fall, da die weibliche Beschränkung für Frauen, in kämpfenden Einheiten in den USA erst 1993 abgeschafft wurde. Also noch keine Frauen im Zweiten Golfkrieg.
Die Soldaten werden immer ungeduldiger, da der auf 2 Wochen angesetzte Einsatz nun mehr 3 Monate dauert. Es leidet auch die Konzentration der Soldaten unter der Hitze und der Suche nach dem Sinn dieses Einsatzes. Man fragt sich, was man hier macht und wieso man hier ist – Und ob es den Menschen die hier leben schlechter gehen würde wenn man nicht da wäre. Mach das alles Sinn? Stehen wir auf der richtigen Seite? Gibt es eine richtige Seite? Fragen über Fragen die man nur mit Alkohol beantworten kann. Ich bin froh das ich während meines Einsatzes nur zu wichtigen Veranstaltungen (Silvester, Weihnachten) etwas getrunken habe. Da fällt man in ein Loch aus dem man so schnell nicht wieder rauskommt.
Auf jeden Fall hat Swoff keinen Bock mehr auf seine Wache – er übergibt diese an einen Kameraden der Sie natürlich verfehlt. Swoff wird bestraft und wird degradiert. Ich selbst habe so etwas auch erlebt. Mann wird nachlässig mit der Zeit, ich z.b. habe fast eine 20Kg schwere Bristol verloren. Ich fand Sie wieder.
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Nach einigen Monaten gibt Saddam dann seine Kriegserklärung zum Besten – und die Sache scheint richtig ernst zu werden. Es scheint aber nur so – den das größte Highlight wird es, als Sie mitten in der Wüste, auf Patrouille einer kleinen Karawane begegnen und mit dieser ein wenig Arabisch sprechen. Nichts wirklich Aufregendes denkt ihr – naja, für unsere Jarheads schon. Der Höhepunkt der Geschichte, wird der Beschuss von Irakis aus einer hohen Entfernung mit einer kleinen Artillerie. Doch schneller als Sie schauen können ist der Angriff schon wieder vorbei. Und Sie bemerken, dass Sie als kleine Kampfeinheit in dieser Materialschlacht nicht viel zu melden haben. Es geht um Panzer, Kampfjets und Apache Hubschrauber, Artillerie und Scut-Raketen. Was sollten da ein Paar Scharfschützen bewirken. Viel mehr beschäftigen Sie sich mit dem beschützen und sicher der brennenden Ölquellen – aber auch das scheint nicht wirklich eine Arbeit für Sie zu sein. Irgendwie müssen sich die Soldaten schon nutzlos vorgekommen sein.Doch dies ändert sich schlagartig als der LTC (Oberst Leutnant) sie zu einem Spezial-Auftrag einteilt. Swoff und sein Kamerad sollen zwei Offiziere der Irakischen Garde töten. Endlich ein Abschuss! Doch kurz bevor Sie ihren Auftrag zu Ende bringen können, werden die Offiziere durch eine sehr übertriebenen Luftangriff getötet. Dann nimmt der Film ein schnelles Ende. Die Soldaten kommen ins Lager zurück und erhalten die Nachricht das der Krieg vorbei ist und Saddam für immer geschlagen ist – leicht bemerkt man hier eine gewisse Ironie wenn man doch an die noch aktuellen Ereignisse im Irak denkt. Also – so ganz das Ende war es dann doch nicht. Doch der Film endet hier, nachdem sie Ihre Magazine und Patronengürtel mit einer Erektion in der Hose in die Luft schiessen dürfen.
Der Film bekamm immer wieder Kritiken das er selbst keine Stellung bezog zum Irak Krieg, ich interpretiere dies als eine gewisse Objektivität und finde Sie so in Ordnung da der Film die Wirklichkeit darstellen soll. Es geht um die Männer und nicht um die Politik drum rum. Und ein guter Soldat sollte sich meiner Meinung nach nicht mit Politik beschäftigen, er erhält Befehle und die muss er befolgen. Wenn er dies nicht tun will hat er den Beruf verfehlt und er sollte am besten Bäcker werden.Mein Fazit: Zunächst einmal bin ich froh, das die Hauptdarsteller nicht, wie zuerst geplant „The Aviator“ und „Spiderman“ sind (Leonardo DiCaprio und Tobey Maguire). Alles in allem finde ich das dieser Film auch ebenso eine Dokumentation sein könnte. Wer hier wilde Schiessereien wie bei Platoon, lustige Sprüche wie bei Full Metal Jacket oder gar eine gewisse Rambo-Szenerie erwartet wird enttäuscht. Auch kein Action-Popkorn-Unterhaltung wie bei Black Hawk Down werden dargebracht. Der Film beschreibt den Alltag eines Soldaten im Einsatz der „leider“ etwas eintönig ist und zum größten Teil aus Präsents-Zeigen besteht. Ich war im Einsatz nicht bei einer kämpfenden Einheit, ich musste keine Wache stehen – aber es gab klarerweise Kameraden die das tun mussten, und vor diesen hatte ich Respekt. 6 Monate Einsatz und davon den größten Teil „nichts tun“ und Streife laufen. Ich kann aber die Grundaussagen dieses Filmes zu hundert Prozent unterschreiben. Bei mir persönlich gibt es fast keinen Tag an dem ich nicht an meinen Einsatz denken muss – was man gesehen hat und was man erlebt hat brennt einem auf der Seele und wird einen nie wieder loslassen.

Ein Mann schießt viele Jahre mit einem Gewehr, dann zieht er in den Krieg, und hinterher gibt er das Gewehr in der Waffenkammer ab und glaubt, dass er mit dem Gewehr fertig ist. Aber ganz egal, was er mit seinen Händen anfängt – eine Frau streicheln, ein Haus bauen, die Windeln seines Sohnes wechseln -, seine Hände erinnern sich an das Gewehr und an die Macht, die das Gewehr ihm versprochen hat.

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3 Comments:

  1. sam
    Januar 09, 2006
    Reply

    hey erstmal cool geschrieben *thumbs up* aber das nächste mal mit spoiler warnung habe den film ja selber noch nicht gesehen :cry:

    zum film selber und seinen kritiken kann ich nur sagen das es schon immer so war. Kriegsfilme sei es ap.now oder full metal jacket bekammen damals nicht die überragensten bewertungen. ap.now wurde sogar von vielen kritikern „zerissen“.

    doch der zeitgeist ändert sich und die wahrnehmung solcher filme auch.

    mein bestes beispiel wäre der schmale grat im kino fand ich den film sowas von langweilig und überflüssig. doch nur drei jahre später bei einer videosession bemerkte ich erst wie ruhig & trotzdem bildgewaltig der film seine geschichte erzählt von daher gebe nie etwas einer meinung oder kritiken bzw. suche dir einen kritiker und bewerte ihn nach der filmvorstellung…

  2. dvdfreak
    Juli 14, 2006
    Reply

    Ja, wirklich gut geschrieben und schöne Fotos!

    Hier ist mein Review zum Film:
    http://movies.fresh-blogs.com/blog/movies/drama/2006/07/14/jarhead_-_willkommen_im_dreck_2005


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